Nürnberger Hitzeaktionsplan: ein Thema für alle

Nürnberger Hitzeaktionsplan: ein Thema für alle

Es ist unbestreitbar, dass bereits heute durch den Klimawandel die Anzahl der Hitzetage und Tropennächte und damit das gesundheitliche Risiko für viele Menschen in Nürnberg wächst. Um bereits in den verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung wie auch der Gesellschaft vorhandene Maßnahmen zu bündeln und strategisch auszubauen, beschloss der Umweltausschuss des Nürnberger Stadtrats zur Gesundheitsvorsorge am Mittwoch, 27. Juli 2022, einen Hitzeaktionsplan.

„Das Ziel des Hitzeaktionsplans“, so Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit, „ist es, vor allem die gesundheitlichen Folgen von extremer Hitze wie auch den Umgang mit Hitze effizient und hilfreich zu kommunizieren. So wollen wir die Bevölkerung, vor allem Kinder, kranke oder ältere Menschen, schützen. Wir werden verschiedene Hilfsangebote aufbauen und dabei bereits in den Stadtteilen vorhandene Initiativen wie auch die Ärzteschaft einbinden. Ganz konkret plane ich einen Stadtplan mit kühlen Orten zu veröffentlichen. Hierfür werden wir auch die Bürgerinnen und Bürger befragen, wo ihre kühlen Orte zum Durchschnaufen sind. Einen Plan für alle zugänglichen Trinkwasserbrunnen gibt es bereits. Ein weiteres Anliegen ist es mir, dass wir uns die Lebensweise der Menschen in Ländern mit Erfahrungen im Umgang mit Hitze anschauen. Um mit der zunehmenden Hitze zurecht zu kommen, müssen wir unsere Stadt in den nächsten Jahren umbauen. Das ist ein Mega-Projekt.“

Seit den 1950er Jahren hat sich die Zahl der Hitzetage (mit mindestens 30 Grad Celsius an der Messstation am Flughafen) in Nürnberg verdoppelt. Wurden bei den Hitzetagen von 1991 bis 2020 im Mittel 13,8 Tage im Jahr registriert waren es in den drei Dekaden von 1961 bis 1990 im Mittel 7,8 Hitzetage im Jahr. Nach einer aktuellen Publikation des Landesamts für Umwelt wird die Zahl der Hitzetage (Szenario mit der Annahme „ohne Klimaschutz“) in Bayern bis 2055 um sechs bis 19 und bis 2085 um 16 bis 36 Tage noch weiter zunehmen. An heißen Tagen entstehen in den stark versiegelten und wenig durchgrünten und durchlüfteten Nürnberger Stadtgebieten Wärmeinseln und gesundheitlich belastende Tropennächte (mit Temperaturen über 20 Grad Celsius). Messungen an der Messstation am Jakobsplatz zeigen, dass es am Mittag in der Stadt um mindestens drei Grad wärmer ist als im Umland. Am Jakobsplatz wurden 2018 während einer 17-tägigen Hitzewelle 13 Tropennächte gemessen. Im gleichen Zeitraum gab es nur eine Tropennacht am Flughafen.

Der Hitzeaktionsplan setzt sich aus Akut- und Präventivmaßnahmen zusammen und soll nach und nach umgesetzt werden. Die akut notwendigen Maßnahmen greifen ab der Hitzewarnstufe 1 und 2 des Deutschen Wetterdienstes. In dem Konzept, das ab Herbst 2022 umgesetzt werden soll, ist vorgesehen, eine Koordinierungsstelle im Referat für Umwelt und Gesundheit einzurichten, eine Arbeitsgemeinschaft „Hitzeaktionsplan-Akut“ zu bilden, jährlich die Maßnahmen zu evaluieren und stufenweise in den Stadtteilen einzuführen.

Die präventiven Maßnahmen des Hitzeaktionsplans sind als langfristig wirkende Maßnahmen bereits als Zielsetzungen im Klimaschutzfahrplan 2020-2030 enthalten. Hierbei geht es darum, stadtklimatische und gesundheitliche Aspekte unter anderem in der Bebauungsplanung und bei Wettbewerbsverfahren wie Freihaltung von Frischluftschneisen, Berücksichtigung von Gebäudestellung und Gebäudehöhen, Verwendung versickerungsfähiger Bodenbeläge umzusetzen, Grünstrukturen zu schaffen sowohl durch kleinteilige (Pocket-Parks) als auch großflächige Grünanlagen, Gebäudebegrünung zu fördern und Straßenbäume zu erhalten und zu pflanzen. let

Weiterführende Links:

Foto: Trinkwasserbrunnen am Hasenbuck in Nürnberg. Bildquelle: © N-ERGIE

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